Berufsumsteiger wird immer vitaler am Pflegemarkt

Vitalzentrum Strehlow GmbH

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„Das habe ich noch nicht verlernt“, zeigt Uwe Strehlow schmunzelnd auf einen gerade reparierten Rollstuhl. Mit einer Werkstatt für mobile Bewegungshilfen begann vor zwei Jahrzehnten die Erfolgsgeschichte des Magdeburger Vitalzentrums Strehlow, das sich heute auf das ehrgeizige Ziel eines Marktführers in der ambulanten Patientenversorgung zu bewegt.

„Es gab nur diesen einen Weg für mich“, antwortet  Uwe Strehlow mit einem kurzen Schulterzucken auf die Frage nach seinem ungewöhnlichen Ausstieg vor 20 Jahren. Als anerkannter Elektroingenieur in einer betrieblichen Forschungsabteilung hatte er Ende 1989 den eingetretenen Pfad verlassen und sich, zu Sozialismuszeiten eher unüblich, in einer noch dazu anderen Branche selbstständig gemacht. Nur ein Jahr später landete der gerade aufblühende Ein-Mann-Betrieb des „Umsteigers“ auf dem bundesdeutschen Gesundheitsmarkt. Unter diesen völlig veränderten Vorzeichen suchte Strehlow nach einer passenden Entwicklungsmöglichkeit und stieß auf das gut funktionierende System der Sanitätshäuser. Dass den damals noch nicht 30-Jährigen die Versorgung pflegebedürftiger und alter Menschen reizte, habe aber noch einen anderen Hintergrund, verrät er schmunzelnd: „Meine Großmutter hat mir in DDR-Zeiten aus dem Westen immer wunderschöne Kataloge mitgebracht.“

Seit 1991 firmiert das Vitalzentrum Strehlow als GmbH. Anfangs habe er das Unternehmen noch recht hemdsärmlig betrieben, erzählt der Ingenieur freimütig: „Und ich hatte damals keine Ahnung von BWL.“ Das ging solange gut, bis der zunächst boomende Markt für Medizin- und Orthopädietechnik 1993 vorerst gesättigt war und die junge Firma vorübergehend in eine kritische Phase geriet. Von der Hausbank kam der dringliche Rat: „Ihr seid kein Sanierungsfall, aber ihr braucht einen Berater!“  Dieser wurde mit Edmund Jäger gefunden, der dem Unternehmen bis heute im externen Beirat verbunden geblieben ist. Längst kann natürlich auch Geschäftsführer Strehlow souverän mit Bilanzen und Unternehmensplanung umgehen, nachdem er sich parallel zum Tagesgeschäft in Managementseminaren sattelfest gemacht hat: „Ich sog Wissen auf wie ein Schwamm.“

Zum 20. Gründungsjubiläum 2008 präsentierte sich das Vitalzentrum Strehlow als äußerst gesundes Unternehmen mit 230 Mitarbeitern, das mittlerweile über die neuen Bundesländer hinaus operiert. Während drei Sanitätshäuser in Magdeburg Verkauf und Beratung vor Ort anbieten und den Namen Strehlow bekannt machen, verlassen täglich rund 500 bestellte Pakete das Lagergebäude auf dem fünf Hektar großen Firmengelände, das der Mittelständler nach einem Jahrzehnt als Mieter vor zwei Jahren kaufte.

Neben dem Versandgeschäft versorgen Außendienstmitarbeiter täglich etwa 150 Kunden mit medizintechnischen Geräten, die eine intensive Beratung erfordern. Die Außendienstler nehmen Rezepte entgegen und geben Bestellungen per Computer an die Zentrale in Magdeburg weiter.

Partner sind die mehr als 200 Krankenkassen, und das bedeute extrem viele unterschiedliche Reglements und Organisationsabläufe trotz gleicher Leistung und gleicher Produkte, verdeutlicht Uwe Strehlow den Aufwand. Seit April 2007 müssen die Kassen eine Reihe Leistungen bundesweit ausschreiben. Um hier zum Zug zu kommen, hat das Vitalzentrum Strehlow sein Regionalprinzip aufgegeben. Mit viel Erfolg beteiligt es sich an Ausschreibungen und gehört häufig zu den „Losgewinnern“ in den verschiedenen Versorgungsbereichen von Rehabilitation bis Orthopädie.

Das Auftragsvolumen hat sich 2008 versechsfacht. Das Unternehmen musste eine Reihe damit verbundener logistischer und finanzieller Herausforderungen – zum Beispiel eine deutlich höhere Vorfinanzierung - lösen. „Wir haben unsere Ablauforganisation umgebaut und zentralisiert und damit 60 neue Arbeitsplätze geschaffen“, erzählt der Firmenchef und fügt hinzu, dass allerdings nicht alle Mitarbeiter bereit waren, den notwendigen Veränderungsprozess mitzutragen. Mit der Umstrukturierung wurde bereits vor drei Jahren begonnen: „Für uns war damals bereits klar, dass wir uns verändern werden müssen, bevor wir dazu gezwungen sind.“

Das Vitalzentrum Strehlow hat den Beweis erbracht, dass sich die Patientenversorgung effizienter organisieren lässt. Doch der Unternehmenschef als strategischer Kopf der Firma sucht nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten in den internen Abläufen, will Prozesse vereinfachen und möglichst standardisieren. Die durchweg motivierte Mannschaft ziehe da mit, ist er sich sicher, und für die Krankenkassen könne er auch nur Vorteile sehen. Letztlich werden im Gesundheitswesen Kosten eingespart.

Die eigene Kapitalausstattung hätte mit dem steilen Unternehmenswachstum nicht mithalten können, blickt Strehlow zurück: „Ohne die Bürgschaftsbank wären einige Finanzierungen bestimmt auf der Strecke geblieben oder zumindest nicht in dieser Größenordnung möglich gewesen.“  1995 nutzte er das Instrument Bürgschaft erstmals, um mit den Aufbau einer Filiale seinen Wirkungskreis auszubauen. Seitdem wurden weitere Wachstumsschritte verbürgt.

Rund 2.500 Firmen tummeln sich in der ambulanten Patientenversorgung, dabei vollzieht sich ein Konzentrationsprozess. Denn die Gesundheitsreform hat den an sich stabilen und wachsenden Markt erschüttert. „Die verschärften Rahmenbedingungen haben regelrechte Zentrifugalkräfte ausgelöst – wer schon auf der Kippe stand, fiel um“, veranschaulicht Uwe Strehlow. Sein Unternehmen gehört heute zum Spitzenfeld und verfolgt die Vision, deutscher Marktführer zu werden. Am Aufbau des Familienbetriebs ist von Anfang an Ehefrau Constanze beteiligt, die gelernte Krankenschwester besitzt ebenfalls Prokura. Inzwischen kümmert sich Sohn Christoph nach erfolgreichem Betriebswirtschaftsstudium um die Logistik in der Firma und Tochter Lina-Marie, noch Schülerin, liebäugelt ebenfalls mit einem Einstieg ins elterliche Unternehmen. Eines hat Uwe Strehlow seinen möglichen Nachfolgern auf jeden Fall voraus: Rollstühle reparieren kann er besser.

Steckbrief:

Firma:

Vitalzentrum Strehlow GmbH

Geschäftsführender Gesellschafter:

Uwe Strehlow

Gegründet:

1988

Mitarbeiter:

rd. 230

Umsatz 2008:

€ 19,3 Mio

Kontakt:

Havelstraße 23, 39126 Magdeburg 
Tel.: (0391) 505 66 0
E-Mail: info@strehlow2000.de
Internet: www.strehlow2000.de

Ute Semkat, Bürgschaftsbank Sachsen-Anhalt - Geschäftsbericht 2008

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